Was ist mit dem 24-105 passiert?
Eigentlich wollte ich schon längst über dieses Thema schreiben, doch manchmal macht es einem das Berufsleben schwer, ausreichend Zeit und Motivation dafür zu finden. Doch jetzt habe ich mal kurz Pause und freiraum um mir über dieses Thema Gedanken zu machen. Was ist mit dem 24-105mm Objektiven passiert? Es scheint mir so, als wären diese praktischen Reisebegleiter etwas in Vergessenheit geraten und werden von den Herstellern arg stiefmütterlich behandelt. So ist zumindest mein Eindruck aus der perspektive eines Sony E-Mount Nutzers.
Sind wir mal ehrlich: Ein 24-105mm Objektiv ist für die Landschafts- und Reisefotografie doch klar besser geeignet als ein 24-70mm. Ich habe deutlich mehr Reichweite bei gleicher Baugröße und Bildqualität zur Verfügung. Die kleinere f/4er Blende stört auch nicht, als Landschafts- oder Reisefotograf bewegt man sich eh meist im Bereich von f/5.6 – f/11.
Doch es kommt mir so vor, als würden alle nur noch 24-70er Objektive wegen der 2.8er Blende kaufen und gleichzeitig die 24-105er als unbeliebte „Kit-Objektive“ abstempeln. Doch ist das so?
Der Trend im Objektivbau geht in letzter Zeit klar zur Offenblende. Immer mehr, auch unbekanntere Hersteller, versuchen sich in der Entwicklung von Zoomobjektiven mit 2.8er Blende, während die sich großen Hersteller teilweise mit echten Brechern wie den 28-70mm f/2.0 und 28-105mm f/2.8 Objektive rühmen. Und das Wort „Brecher“ trifft es bezogen auf Größe und Gewicht ganz gut…
Ich selbst habe mir vor kurzem ein gebrauchtes Sony 24-105mm F4 G OSS gekauft und es ist mir schnell ans Herz gewachsen. Es ist minimal kleiner als mein Sigma 24-70mm f/2.8 DG DN II, kaum nennenswert, verfügt über einen eigenen Bildstabilisator und der Fokusmotor arbeitet flott und treffsicher. Mein neuer Lieblingsbegleiter für kleine, morgendliche Wanderungen, bei denen ich nur meinen kompakten Sling Bag mithabe. Oder, als „Immerdrauf“ bei Wanderungen ohne ständig zwischen Weitwinkel und großem Tele wechseln zu müssen.
Dennoch gibt es auch einige Kritikpunkte an diesem Objektiv. Zum einen, ist das Filtergewinde nur 77mm groß. 82mm, über welches auch die meisten 24-70er verfügen, währen praktischer gewesen. So muss ich einen immer Step-Up-Ring verwenden, wenn ich einen Schraubfilter oder meine Steckfilterhalterung anbringen will. Dann darf ich aber auch keinen Schutzfilter am Objektiv angebracht haben, sonst ragen alle weiteren Anbauten ins Bild. Da hätte Sony ruhig etwas großzügiger sein dürfen.
Mein Hauptkritikpunkt ist aber, dass das 24-105mm F4 G OSS immer noch keinen Nachfolger erhalten hat. Das Objektiv ist schon seit 2017 auf dem Markt. Damals konnte die Linse mit ihrer optischen Leistung durchaus noch mit den 24-70ern mithalten, seither ist aber im Objektivbau einiges geschehen. Versteht mich nicht falsch, die Abbildungsleistung ist immer noch sehr gut. Wenn ich mir aber die Bilder von meinem Sigma 24-70mm f/2.8 DG DN II neben denen vom Sony 24-105mm f/4 G OSS anschaue, dann würde ich klar zum Sigma greifen.
Mit den heutigen Mitteln und Erkenntnissen im Objektivbau sollte es kein Problem sein ein 24-105er f/4 mit einer vergleichbaren Abbildungsleistung eines 24-70er f/2.8 zu bauen. Doch würden es die Leute auch kaufen? Meinem Gefühl nach achten viele Käufer zu sehr auf eine große Blende und vernachlässigen es dabei auch auf die Praktikabilität zu achten. Das 28-105mm f/2.8 von Sigma oder auch das 24-105mm f/2.8 von Canon sind richtig geile Teile, aber den ganzen Tag rumschleppen will die niemand so wirklich. Vielleicht ringt sich Sony ja doch eines Tages dazu durch, diese Linse auf den neuesten Stand zu bringen. Vielleicht würde für Sigma auch ein 24-105mm „Contemporary“ ins Produktportfolio passen. Ich hoffe wirklich sehr, dass sich auf dem Markt, zumindest beim E-Mount, in Zukunft noch etwas tut.
105mm - f/8 - 1/320 - ISO 250